Mehrsprachige Stemmatologie

Mehrsprachige Stemmatologie: Das Verstehen von mehrsprachiger Überlieferung und Entwicklung mittelalterlicher Texte. Der Physiologus als Durchführbarkeitsstudie.

Anbindung: Goethe-Universität

Finanziert mit Mitteln des Projektträgers: Apr. 2016 – Feb. 2017 als Pilotprojekt

Projektmitarbeiter

  • Dr. Caroline Macé, Goethe-Universität
  • Armin Hoenen, Goethe-Universität

Beschreibung

Der Physiologus ist ein wichtiger und einflussreicher mittelalterlicher Text über Tiere als moralische und allegorische Beispiele. Mit seinem Ursprung im Ägypten des zweiten oder dritten vorchristlichen Jahrhunderts und der Abstammung aus antiken Quellen, war dieser ursprünglich auf Griechisch verfasste Text extrem verbreitet, mit Übersetzungen in verschiedene orientalische Sprachen wie auch ins Lateinische und vom Latein in die westlichen Volkssprachen. Hierbei besitzt jede Sprache ihre einigen komplizierten Manuskriptzusammenhänge und indirekten Überlieferungen. Ein klarer Überblick über die gesamte Tradition in allen Sprachen fehlt bislang, und der Forschungsstand ist weitgehend der vom Ende des 19. Jahrhunderts.  Ein sprachübergreifender stemmatologischer Ansatz ist erforderlich, um dieses Problem anzugehen.

Geplant ist die Arbeit an einem kurzen Ausschnitt über Tiere im Physiologus, der über die Versionen und Rezensionen gesehen besonders stabil erscheint: Panther, Wal und Rebhuhn. Dieser Ausschnitt soll in allen verfügbaren Sprachen untersucht werden. Eine der wichtigen Neuerungen in dem Projekt wird der Versuch sein, einen mehrsprachigen Vergleich von Manuskripten (automatische mehrsprachige Kollationierung) zu ermöglichen, eventuell durch Verwendung einer Metasprache, um Texte in unterschiedlichen Sprachen miteinander vergleichen zu können.

Ressourcen

Korpus literarischer Übersetzungen (Projekt Gutenberg) zur multilingualen Alignierung und Analyse in Erarbeitung

Relevante Publikationen

  • Parvum lexicon stemmatologicum on-line: https://wiki.hiit.fi/display/stemmatology/Parvum+lexicon+stemmatologicum
  • Caroline Macé, “Textual Criticism”, in: Oxford Handbook of Byzantine Literature, ed. by Stratis Papaioannou, Oxford – New York: Oxford University Press (accepted, forthcoming).
  • Caroline Macé & Jost Gippert, “Textual Criticism and Editing in the Digital Age”, in: Oxford Handbook of Greek & Latin Textual Criticism, ed. by Wolfgang de Melo & Scott Scullion, Oxford: Oxford University Press (accepted, forthcoming).
  • Caroline Macé & Jost Gippert, “The Tradition of the Physiologus in Greek and in its early medieval translations”, Revue d’Histoire des Textes (in preparation, to be submitted in December 2016).

Weiterführende Informationen

  • Teilnahme in Workshops:
  • Vorbereitung eines DFG-FWF Projekts über mehrsprachige Stemmatologie zusammen mit Prof. Dr. Tara Andrews (Universität Wien) (vorhergesehenes Datum für die Vorlage: 1.11.2016)
  • Vorbereitung einer internationalen Konferenz in Paris am 15-17 Juni 2017: “The Physiologus between East and West. Diffusion and transmission of an early Christian text on nature” – Organisatoren: Anna Dorofeeva (Goethe-Universität), Stavros Lazaris (CNRS, UMR Orient & Méditerranée / Labex RESMED), Caroline Macé (Goethe-Universität), Arnaud Zucker (Université Côte d’Azur)
  • Vorbereitung eines Buchs “An introduction to stemmatology in the digital age”, in Zusammenarbeit mit einem internationalen Team: Marina Buzzoni, Aidan Conti, Elisabet Göransson, Odd Einar Haugen, Armin Hoenen, Philipp Roelli.