Public History of the Holocaust

 Public History of the Holocaust

Anbindung: Goethe-Universität Frankfurt

Laufzeit: Sommersemester 2015 bis z.Zt.

Projektmitarbeiter

  • Dr. Steffen Bründel, Goethe-University Frankfurt (Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften)
  • Prof. Dr. Christoph Cornelißen, Goethe-University Frankfurt (Lehrstuhl für Neueste Geschichte – Zeitgeschichte Europas Seit 1918)
  • Prof. Dr. Alexander Mehler, Goethe-University Frankfurt (Computer Sciences)
  • Giuseppe Abrami, Goethe-University Frankfurt (Computer Sciences)
  • Dr. Nicole Kramer, Goethe-University Frankfurt (Lehrstuhl für Neueste Geschichte – Zeitgeschichte Europas Seit 1918)

Beschreibung

Das Projekt namens Public History zielt technologisch gesprochen darauf, Medien der webbasierten Dokumentation und der mobilen Kommunikation auf der Basis eines geschichtswissenschaftlichen Beschreibungsmodells zu verbinden. Es geht genauer darum, eine mobile webbasierte Public History of the Holocaust zu ermöglichen, wie sie im Rahmen der gleichnamigen Konferenz vom 9. Juli 2013 im Jüdischen Museum Berlin von Sara Bloomfield, Direktorin des United States Holocaust Memorial Museum, Washington DC, als zentrales Desiderat beschrieben wurde. Im Kontext dieser Herausforderung zielt das Projekt auf die Integration mehrerer Texttechnologien als Basis für eine wissenschaftlich fundierte Public History of the Holocaust. Dies beinhaltet (i) eine mobile App als Schnittstelle für den schreibenden und lesenden Zugang zu einem (ii) MediaWiki als zugrundeliegendes Dokumentenmanagement-System für das (iii) Ubiquitous Computing:

  1. Bezogen auf Geotagging soll die zu entwickelnde App die webbasierte Dokumentation der Lebensorte und -wege von Opfern des Holocaust ermöglichen. Es geht um eine ubiquitäre Kommunikationsplattform, mit deren Hilfe Historikerinnen und Historiker eine öffentliche Geschichte des Holocaust schreiben können, indem sie über Stolpersteine hinaus weitere Lebens- und Wirkungsorte (Wohnorte, Arbeitsorte, Deportationsorte etc.) dokumentieren und vernetzen.
  2. Im Sinne des Geocaching sollen App-Nutzer die Ergebnisse ihrer Dokumentationsarbeit wechselseitig rezipieren können, und zwar an Ort und Stelle der dokumentierten Lebensorte und -wege. Die informationelle Anreicherung der Stolperwege geschieht mit Hilfe von Text, Bild, Audio, Video und Verlinkungen dieser Informationsobjekte. Sie beinhaltet digital begehbare 3D-Rekonstruktionen historischer Gebäude ebenso wie interaktive Karten mit textuellen und ikonographischen Geotags.
  3. Nach Fertigstellung der App soll die webbasierte Nutzung aller im Kontext der Studiengruppe anfallenden Dokumentationsresultate ermöglicht werden, und zwar gemäß den Prinzipien open access und open source.

Den Ausgangspunkt des Projekts bildet das Kunstprojekt der Stolpersteine von Gunter Demnig. Wenngleich dieses Projekt nicht unumstritten ist, hat es sich insoweit etabliert, als Stolpersteine nunmehr in vielen deutschen und europäischen Städten verlegt wurden, um Auskunft über die Schicksale der jeweiligen Bürgerinnen und Bürger (http://www.stolpersteine.eu/) zu geben. Die Stolperwege App virtualisiert diese Gedenkorte und löst sie gewissermaßen von den im Boden verlegten Stolpersteinen ab. Diese Virtualisierung reflektiert wesentliche Kritikpunkte des Stolpersteine-Projekts: zum einen sollen weit umfassendere Informationen bereitgestellt und verknüpft werden, um den Aussagegehalt der Stolpersteine in einen geschichtswissenschaftlichen Kontext einzubetten. Zudem soll für die Problematik sprachlicher Zuschreibungen, etwa infolge der Verwendung tätersprachlicher Begriffe, sensibilisiert werden. Mit Hilfe der Stolperwege-App sollen Nutzer die biographisch relevanten Orte bzw. Objekte einer Stadt aufsuchen und sich über diese wissenschaftlich fundiert informieren können. Dabei werden alle Opfergruppen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft einbezogen und die Ermordeten ebenso berücksichtigt wie die Überlebenden und deren Nachkommen, die Ausgewanderten oder ins Exil Getriebenen ebenso wie die Rückkehrer. Es geht darum, über den Informationsgehalt der Stolpersteine hinaus Möglichkeiten zu schaffen, die Lebenswege von Personen zu dokumentieren sowie die orts- und zeitgebundenen Einzeldokumentationen miteinander zu verbinden. Die in diesem Netzwerk dargestellten gebrochenen (Emi- bzw. Remigration) oder abgebrochenen (Vernichtung) Lebenswege bezeichnen wir als „Stolperwege“.

Das Projekt wird seit dem Sommersemester 2015 durchgeführt und beruht auf technischen Vorarbeiten der AG Texttechnologie wie der Bereitstellung des Ressourcen-Managements sowie einer Annotations-Plattform (OWLnotator).

Ressourcen

  1. StolperwegeAPI (http://app.stolperwege.hucompute.org)
    Die REST-basierte StolperwegeAPI bildet die zentrale Schnittstelle zwischen der StolperwegeApp und allen (teils nachfolgend aufgeführten) Webservices.
  2. StolperwegeDB (http://db.stolperwege.hucompute.org)
    Die StolperwegeDB ist eine Instanziierung des OWLnotators (http://owlnotator.hucompute.org), eines ontologiebasierten (OWL) Annotationsdienstes zur Annotation von beliebigen Objekten, Ressourcen und ihren Relationen.
  3. Ressourcen-Manager (https://resources.hucompute.org)
    Der Ressourcen-Manager dient der StolperwegeApp als grundlegender Dienst zur Ablage von Ressourcen, welche durch die StolperwegeApp erhoben, verarbeitet und nutzbar gemacht werden. Dieser Dienst kann beliebige Datenformate aufnehmen und für spezielle Ressourcen gezielte Dienste anbieten. So bietet der Ressourcen-Manager unter anderem die Möglichkeit, Bilder, Texte wie auch Dateien des Formats für Karten-Layer namens MBTiles gezielt zu verwenden.

Relevante Publikationen

  • A. Mehler, G. Abrami, S. Bruendel, L. Felder, T. Ostertag, and C. Spiekermann, “Stolperwege: An App for a Digital Public History of the Holocaust,” in Proceedings of the 28th ACM Conference on Hypertext and Social Media, New York, NY, USA, 2017, pp. 319-320.
  • C. Spiekermann, G. Abrami, and A. Mehler, “VAnnotatoR: a Gesture-driven Annotation Framework for Linguistic and Multimodal Annotation,” in Proceedings of the Annotation, Recognition and Evaluation of Actions (AREA 2018) Workshop, 2018. accepted

Externe Kooperationspartner

Im Rahmen des Projekts findet eine enge Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Goethe-Universität (z.B. Wollheim Memorial/Fritz Bauer Institut) sowie Institutionen der Stadt Frankfurt (z.B. Stadtarchiv; Historisches Museum Frankfurt; Institut für Stadtgeschichte; Jüdisches Museum Frankfurt) statt. Eine Kooperation mit internationalen Forschungseinrichtungen, Museen und Gedenkstätten (z.B. Jüdisches Museum Berlin; International Tracing Service, Bad Arolsen; Yad Vashem, Jerusalem; United States Holocaust Memorial Museum, Washington) ist angebahnt.